Ist IoT das Ende der Cloud?

Von Klaus Manhart am 14. Juli 2017
Egal ob autonome Fahrzeuge, medizinische Überwachung oder Predictive Maintenance: Im Internet of Things (IoT) müssen große Datenmengen sehr schnell transferiert werden. Die geringen Cloud-Bandbreiten sind damit hoffnungslos überfordert. Steht mit der wachsenden Bedeutung von IoT das Ende des Cloud Computing vor der Tür?

Die Leistungsfähigkeit unserer Mobilgeräte wird heute im Wesentlichen von Cloud Services bestimmt. Wenn Sie sich das Wetter prognostizieren lassen, Ihren Kontostand per Mobile Banking abfragen oder ein Taxi buchen - in jedem Fall fungiert das Smartphone als Mittler für einen Cloud Service. Wir haben ein Anliegen, die Anfrage geht über das Netzwerk zum Cloud Service, der dann die Arbeit erledigt und das Ergebnis zurücksendet.

In der näheren Zukunft wird unser Leben aber weitgehend von IoT-Geräten bestimmt. Wenn es nach Gartner geht werden wir schon in den nächsten Jahren in einer Welt mit 20, 50 oder 200 Milliarden vernetzter IoT-Geräten leben. Wir sitzen in selbstfahrenden PKWs und Bussen, nutzen Maschinen, die Ausfälle vorhersagen und verlassen uns auf medizinische Überwachungssysteme, die ältere Personen vor Unfällen und anderen Risiken bewahren.

IoT-Devices haben ganz andere Charakteristika als Cloud Services. Erstens erzeugen IoT-Geräte riesige Datenmengen: Eine 4K-Überwachungskamera in einem Flughafen liefert etwa 80 Terabyte Rohdaten - pro Stunde! Zweitens werden diese IoT-Daten von Machine-Learning-Systemen genutzt, so dass Computer aus den Daten lernen und selbstständig Schlussfolgerungen ziehen können. Beispielsweise könnten Kameras Fließbänder überwachen und aus der Reihe von Ereignissen lernen, welche Faktoren zu einer Verlangsamung der Produktion führen. Oder ein Machine Learning System lernt vorherzusagen, wann eine Abwasserpumpe versagen wird.

IoT - Edge statt Cloud Computing

Was aber bedeutet das für die Cloud? Spielt die Cloud in einer Welt mit 20 Milliarden, 50 Milliarden oder 200 Milliarden IoT-Geräten überhaupt noch eine Rolle? Ja. Während wir die Cloud zwar nicht für Situationen nutzen können, in denen großen Datenmengen transferiert werden oder in denen wir eine sehr schnelle Antwort brauchen, nimmt die Cloud in einer IoT-Welt mindestens vier Rollen ein:

Erstens gibt es viele IoT-Anwendungen, in denen Datenmassen oder High-Speed-Aktionen unwichtig sind. Im Bereich intelligente Städte ist dies etwa die Suche nach Parkplätzen, die Verkehrsführung oder das Wissen, dass der Mülleimer voll ist. Auch müssen Connected Cars nicht immer schnell und datenlastig mit Informationen versorgt werden. Ähnliches gilt für Smart Farming.

Zweitens lernen maschinelle Lernsysteme aus vielen Beobachtungsdaten - je mehr Daten sie erfassen, umso besser erledigen sie auch ihren Job. Wenn wir einen summierten Datensatz von der Edge - von vielen Autos oder von vielen Abwasserpumpen - zurück zu einem zentralen Lernsystem senden, könnte dieses aus vielen verschiedenen Situationen lernen. Die Cloud kann also für ein zentralisiertes Deep Learning verwendet werden. Zudem können maschinelle Lernsysteme auch besser lernen, wenn sie Daten aus verschiedenen Arten von Quellen miteinander korrelieren.

Drittens können über die Cloud verschiedene Daten zusammengeführt werden etwa zur Auswertung von IoT-Systemen, wenn diese Auswertungen nicht zeitkritisch sind. Die Cloud fungiert in diesem Fall als zentraler Datensammler - bei dem allerdings Schnelligkeit nicht die zentrale Rolle spielen darf.

Und viertens schließlich kann die Cloud dazu eingesetzt werden, bestimmte Ereignisse und Daten aufzuzeichnen. Denn es muss festgehalten werden, welche Prozesse beispielsweise in der Produktion schiefgelaufen sind, und diese Daten werden wohl zentral gespeichert.

Resümee

Mark Twains wohlbekannte Reaktion auf eine "Fake News" - die Gerüchte über meinen Tod sind übertrieben - lässt sich auch auf die Cloud übertragen: Die Gerüchte über den Tod der Cloud sind stark übertrieben. IoT wird eine neue Klasse von Anwendungen generieren, für die Edge Computing erforderlich ist. Aber das wird nicht das Ende der Cloud sein.