Entkopplung bringt Zukunftssicherheit

Von Stefan Gneiting am 29. September 2017
Die steigende Datenflut, schnelle Zugriffszeiten und kurze Innovationszyklen stellen große Herausforderungen an eine rechtskonforme Archivierung. Offene, Software-definierte Archive (SDA) gelten als zukunftssichere Lösung für die Datenspeicherung.

Die Übergangsfrist, die die Europäische Union für die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) festgesetzt hat, läuft am 25. Mai 2018 aus. Nicht nur deshalb sollten sich Unternehmen mit dem Thema Datenarchivierung auseinandersetzen. Auch die immer größer werdenden Datenmengen, die notwendige Migration auf moderne Speichertechnologie und die Einhaltung von Rechts- und Compliance-Vorgaben fordert die IT-Teams heraus. Mit Software-defined Archiving erhalten Unternehmen ein zukunftssicheres Konzept für ein rechtskonformes Datenarchiv. Guido Klenner, Category Manager Storage für Deutschland beiHPE, und Georg Csajkas, Leiter Produktmanagement und Business Development bei iTernity, erläutern im Interview die Herausforderungen im Bereich der Archivierung und erklären, warum sich der Wechsel von einer dedizierten Archiv-Appliance auf eine Software-definierte Lösung auf Basis von Standard Speichersystemen lohnt.

Welches sind die größten Herausforderungen einer rechtskonformen Archivierung?

Georg Csajkas: Unternehmen müssen sich generell überlegen, wie sie ihre Daten zukunftssicher archivieren. Bisher waren die Daten häufig On Site in Datensilos abgelegt. Nun wandern aber immer mehr Daten in die Cloud und die Silos verlieren vollends ihre Daseinsberechtigung. Und natürlich sind auch die immer größer werdenden Datenmengen und die langen Aufbewahrungszeiten eine große Herausforderung.

Guido Klenner:Beim Thema Aufbewahrungsfristen spielt das Thema Migration eine große Rolle. Wenn Daten jahrzehntelang gespeichert werden müssen, kommt man nicht umhin, diese irgendwann auf neue Hardware zu übertragen. Dann steht man vor der Frage, wie man die Daten unter Einhaltung der Compliance-Vorgaben migriert. Unternehmen, die heute ein Archivierungsprojekt beginnen, sollten gleich eine spätere Migration miteinplanen.

Csajkas:Und weil außerdem die Datenflut immer größer wird, ist es wichtig, eine Lösung einzusetzen, die hardware- und technologieunabhängig ist, die die Daten langfristig archivieren und im Hintergrund migrieren kann. Andernfalls sind die Unternehmen immer wieder mit Migrationsprojekten beschäftigt.

Wie sieht Ihrer Meinung nach eine sinnvolle Archivierungslösung aus?

Csajkas: Die bisher am Markt gängigen Lösungen sind eine Kombination aus Hardware und integrierter Software. Bei jedem Hardwarewechsel muss die IT wegen der engen Verzahnung von Software und Hardware das komplette System austauschen.

Klenner: HPE und iTernity bieten ihren Kunden eine Software-definierte Lösung an. Damit entkoppeln wir die Software, die beispielsweise die WORM-Funktionen realisiert, von der Hardware. Das vereinfacht einen Technologiewechsel. Mit einer Software-definierten Lösung macht man sich langfristig von Hardware und Technologie unabhängig. Man verwendet die Software weiter und erneuert nur die Hardware. Und weil man für die Hardware Industriestandard-Lösungen einsetzen kann, erreicht man überdies deutliche Kostenvorteile.

Wie kommen die Kostenvorteile zustande?

Klenner: Proprietäre Lösungen sind wegen der geringeren Stückzahlen im Allgemeinen viel teurer als beispielsweise ein Standard-Disk-Array, das sich tausendfach verkauft.

Csajkas: Weitere Kostenvorteile ergeben sich im Fall einer notwendigen Erweiterung. Bei den eng verzahnten Appliance-Systemen muss man bei einer Neuanschaffung der Hardware immer auch eine neue Lizenz für die Software kaufen. Das heißt, dass man immer wieder in die Software investieren muss. Weil der Software-definierte Ansatz Software und Hardware entkoppelt, benötigt man weder bei einer Erweiterung noch bei einer Erneuerung der Hardware eine neue Softwarelizenz.

Lassen sich so auch gemischte Plattformen realisieren?

Csajkas: Ja, das ist ein ganz wesentlicher Vorteil des Software-definierten Konzepts. Stellen Sie sich iCAS als eine Middleware vor, die zwischen den Applikationen, also den Datenquellen, und dem Hardware-Layer liegt, der aus verschiedenen Systemen bestehen kann. Die Intelligenz, die notwendig ist, um die Daten zu handhaben, sie zu verschlüsseln und die Aufbewahrungsfristen so zu verankern, dass man sie nicht löschen kann, steckt in der Middleware. Unsere Lösung kreiert Objekte, die auf verschiedenen Systemen abgelegt werden können.

Das heißt, die Kunden sind bei einer Migration nicht gezwungen, den kompletten Datenbestand zu migrieren, sondern müssen nur die Daten umziehen, die auf der auszutauschenden Hardware liegen?

Klenner: Genau. Auf diese Weise lassen sich sogar verschiedene Service Levels anbieten. Wir haben Kunden, die stellen an ihre Datenarchive Anforderungen, die nur mit Hochleistungs-Disk-Arrays realisiert werden können, die entsprechend kostspielig sind. Sollen diese Daten aus Sicherheitsgründen zusätzlich in einem zweiten Rechenzentrum gespiegelt werden, können wir dieses mit relativ kostengünstigen Einstiegsarrays bauen, weil die Anforderungen an die Antwortzeiten beim gespiegelten Datenbestand viel geringer sind. So ergeben sich weitere Kostenvorteile, weil wir die Technologie granular entsprechend der Anforderungen auslegen können.

Csajkas: Schon im Produktivsystem kann man beim Software-definierten Ansatz mit unterschiedlichen Hardwarelösungen arbeiten. Innerhalb eines Unternehmens kann es verschiedene Repositories mit unterschiedlichen Performance-Anforderungen geben. Bei einem monolithischen System müsste ich alle Daten auf der gleichen Plattform ablegen.

Klenner: Ein weiterer Vorteil ist die Skalierbarkeit der Systeme. Mit unserer Lösung können Firmen klein anfangen und dann nach und nach erweitern. Das System ist extrem flexibel und der Kunde kann schnell auf plötzliche Änderungen im Datenbestand reagieren wie es beispielsweise bei einem Unternehmenszukauf erforderlich sein kann.

Wie hoch ist der Migrationsaufwand?

Csajkas: Man muss einmal von der proprietären Lösung auf ein Software-definiertes System migrieren. Da der damit verbundene Aufwand zum Beispiel auch von den beteiligten Anwendungen abhängt, lässt sich das schwer pauschal beantworten.

Klenner: Wenn das Unternehmen aber auf der offenen Plattform ist, reduziert sich der Aufwand bei allen weiteren Migrationen. Typischerweise werden Server alle drei bis fünf Jahre abgeschrieben und aus betriebswirtschaftlichen Gründen ersetzt. Bei dem Software-definierten Ansatz tauschen Sie nur die Hardware aus und die eigentliche Datenmigration erfolgt im laufenden Betrieb im Hintergrund.

Die Komplexität der Archivierung wird wegen steigender Datenaufkommen und immer mehr Vorgaben und Verordnungen stets größer. Stoßen die Unternehmen irgendwann an eine wirtschaftliche Grenze des Machbaren?

Klenner: Damit das nicht geschieht, empfehlen wir die Migration auf effizientere Systeme.

Lassen sich die Kostenvorteile eigentlich beziffern?

Klenner: Wir haben eine TCO-Berechnung durchführen lassen, die die Kosten eines Mitbewerbersystems mit einer iTernity iCAS-Lösung auf HPE-Hardware vergleicht. Die Berechnung ergab, dass über einen Fünf-Jahres-Zeitraum das Vergleichssystem doppelt so teuer wie ein iCAS-System ist.