Backup & Recovery virtueller und physischer Systeme

am 19. Mai 2017
Mit der Leistungsfähigkeit der Anwendungen und Datenbanken steigen auch die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datensicherung und Wiederherstellung. Zur Gewährleistung der Prozesskontinuität müssen die Backup- ebenso wie die Recovery-Zeitfenster auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Was ein Backup tatsächlich wert ist, zeigt sich erst beim Restore. Während die Datensicherung bei laufendem Betrieb erfolgt, tangiert die Wiederherstellung des zuletzt gesicherten Datenstands zwangsläufig die Betriebsprozesse. Downtime ist lästig und teuer. Deshalb gilt: Je kleiner die Recovery Time Objective, desto besser. Speziell bei Applikationen für die Echtzeit-Datenanalyse muss die Recovery in sehr kurzen Zeitabständen ermöglicht werden. Wie sich dieser hohe Anspruch erfüllen lässt, schildern Guido Klenner, HPE Category Manager - Storage und Dirk Hannemann, Data Management & Protection bei Hewlett Packard Enterprise (HPE) Deutschland.

Herr Klenner, was motiviert HPE und Veeam zur Zusammenarbeit?

Guido Klenner: Veeam ist auf Backup/Restore-Software für virtuelle Systeme spezialisiert. Beispielsweise speichert Veeam-Software die virtuelle Umgebung mittels Snapshot auf unserer HPE 3PAR StoreServ, StoreVirtual oder Nimble Storage. In Kombination mit HPE StoreOnce kann Veeam Snapshots auch dedupliziert auf dem Backup-Device ablegen, sodass der Restart einer virtuellen Maschine direkt von dort aus erfolgen kann.

Guido Klenner, HPE Category Manager - Storage, HPE
Guido Klenner, HPE Category Manager - Storage, HPE
Foto: HPE GmbH

Herr Hannemann, wie gestalten sich Backup und Recovery bei physischen Systemen?

Dirk Hannemann: Bei SAP HANA sind die Datenbanken oft einfach zu groß für virtuelle Maschinen. Virtuelle Systeme sind zwar schnell und flexibel, aber Service Level Agreements erfordern deterministische Antwortzeiten. Bei entsprechend hohen Performance-Ansprüchen kommen beispielsweise HPE Superdomes mit unseren 3PAR als Storage-Lösung zum Einsatz. Solche physischen Systeme deckt Veeam nicht ab. Das ist unser Metier. Darüber hinaus unterstützt HPE den Backup/Restore der Workloads in Außenstellen.

Braucht der Kunde also zwei parallel betriebene Backup-Repositories für seine virtuellen und physischen Systeme?

Guido Klenner: Während Veeam für die Sicherung der virtuellen Umgebungen zuständig ist, stellt HPE zertifizierte Plug-ins (z. B. für SAP HANA oder Oracle) zur Verfügung, die nativ auf anderen Betriebssystemen laufen. So ergänzen sich beide Lösungen, und es wird das gleiche Backup Target genutzt. Der Kunde braucht deshalb nur ein Gesamt-Repository für seine virtuellen und physischen Systeme.

Wie läuft die Datensicherung mit Veeam und HPE Storage bei SAP HANA ab?

Dirk Hannemann: HPE Storage nutzt zertifizierte, native Schnittstellen zu Applikationen wie SAP HANA. Der Datenbankadministrator kann den Backup-Prozess auch manuell auslösen, braucht sich aber mit dessen Ablauf nicht zu befassen. Der Datenstrom lässt sich beispielsweise durch das Einhängen von Plug-ins in SAP HANA Studio an HPE StoreOnce übertragen. Mittels HPE Recovery Manager Central (RMC-V) erzeugen wir anwendungskonsistente und - bei virtuellen Maschinen - auch VMware-konsistente Snapshots. Und da wir mit Deduplizierung arbeiten, kommen nur die geänderten Blöcke in den Backup-Prozess. Die Backup-Zeitfenster reduzieren sich dadurch ganz erheblich.

und Dirk Hannemann, Data Management & Protection, HPE
und Dirk Hannemann, Data Management & Protection, HPE
Foto: HPE GmbH

Wo genau werden die Backup-Daten dedupliziert?

Dirk Hannemann: Die Deduplizierung erfolgt wahlweise an der Quelle oder am Ziel. An beiden "Enden" kommt dabei unser Datenprotokoll namens Catalyst zum Einsatz. Catalyst ist als Binärcode in die Veeam-Software integriert. Beispielsweise lassen sich Außenstellen mittels Catalyst elegant ins Backup/Recovery-Konzept einbinden. Die Deduplizierung erfolgt bereits auf dem Proxy-Server der Außenstelle. Nur die geänderten Blöcke werden für den Backup an die Zentrale übertragen, wodurch wir über 90% an Backup-Volumen sparen. Deshalb reichen Datenleitungen mit eher bescheidener Bandbreite aus. Beispielsweise erzielen wir auf einer Leitung mit 1 Gb einen Durchsatz, der 10 Gb entspricht.

Was bedeutet das für die Sicherheit und Verfügbarkeit der Daten?

Guido Klenner: Haben Sie drei Kopien Ihrer Daten? Speichern Sie auf zwei unterschiedlichen Medientypen ? und haben Sie dadurch einen Medienbruch? Halten Sie eine Kopie an externen Standorten und auf anderen Medien wie Tape oder die Cloud? Die Integration von Veeam-Software und HPE Storage-Technologien schafft die Voraussetzungen für sehr schnelle, häufige und kosteneffiziente Backups, die Kunden zur Einhaltung der 3-2-1-Regel brauchen. Folglich lassen sich auch anspruchsvollere SLAs umsetzen.

Wie steht es um die Immunisierung der Backups gegen Malware oder Viren?

Guido Klenner: Die beste Datensicherung ist nutzlos, wenn sich Schadprogramme wie Ransomware, Spyware oder Viren in das Backup einschleichen. Die aktuelle WannaCry-Attacke zeigt einmal mehr, wie wichtig ein Schutz hiervor ist. Veeam bietet hier bereits effektiven Schutz. Aber die Kombination mit HPE Catalyst verhindert, dass das Backup-Ziel "infiziert" werden kann, da es nur über die Catalyst API sichtbar ist.

Welche Granularität bietet die Kombination aus Veeam und HPE Storage?

Dirk Hannemann: Mit HPE RMC sichern und "restoren" wie ganze Volumes einer HPE 3PAR. Bei komplexeren Systemen aus virtuellen Maschinen mit Datenbanken wie SAP HANA lässt sich das HPE StoreOnce Plug-in mit HPE Recovery Management Central (RMC) kombinieren. Die reine VM-Sicherung auf StoreOnce führt Veeam nativ oder bei physischen Systemen mittels Agent durch. Mit HPE StoreOnce können wir auch Converged Systems und Software Defined Storage bedienen. Beim Restore hat der Kunde die Wahl: Per RMC lässt sich das ganze Volume von einer HPE StoreOnce wiederherstellen. Mit dem Veeam Explorer kann die Wiederherstellung bis hinab zur Ebene einzelner Dateien per Drag & Drop erfolgen.

"Veeam hat keine eigene Zertifizierung für SAP HANA. HPE Storage-Lösungen decken sowohl virtuelle als auch physische Systeme ab. Damit schließen wir eine Lücke für Veeam." Guido Klenner, Manager, Storage Business Unit, Hewlett Packard Enterprise Deutschland