Wie verändert sich HPEs SAP HANA-Business?

Von Dietmar Müller am 27. Februar 2017
Hewlett Packard Enterprise (HPE) hat Ende vergangenen Jahres mitgeteilt, den High Performance Computing-Spezialisten (HPC) Silicon Graphics International Corp. (SGI) kaufen zu wollen. HPE stärkt mit der 275 Millionen Dollar schweren Übernahme sein Geschäft mit Hochleistungsrechnern sowie Lösungen für Big Data und Analytics.

Hubertus Schulz, Lead SAP Alliance Business Manager bei HPE, ist davon überzeugt, dass sich die Übernahme insbesondere für Anwender von SAP HANA auszahlt. SAP HANA ist bekanntlich eine Entwicklungsplattform auf Basis einer In-Memory-Datenbank, die den schnellen Zugriff auf betriebsrelevante und strategische Informationen ermöglicht. Über die Plattform kann die Auswertung großer Datenmengen in Echtzeit erfolgen. Im Interview erläutert Hubertus Schulz, wie sich die Übernahme von SGI auf HPEs Geschäft mit HPC und Big Data auswirken wird.

Die Überlappungen der Bereiche HPC auf der einen und Big Data sowie Analytics auf der anderen Seite werden immer größer, so Analysten wie Patrick Moorhead, President und Principal Analyst von Moor Insights & Strategy. Ist dem so und wenn ja: Was bedeutet dies für die Anwender?

Hubertus Schulz: Ja, High Performance Computing und der Bereich Big Data weist tatsächlich immer größere Überlappungen auf, zum Beispiel im Bereich Internet of Things. SAP hat darauf mit einem Startprogramm für IoT namens Leonardo reagiert. Hier sind Angebote enthalten, die mit Hilfe von Big Data Analytics den Kunden helfen, ihre Produkte günstiger zu warten, effizienter zu managen und die Qualitätsprozesse zu verbessern.

"SGI hat sich in der Vergangenheit hervorragend im Bereich SAP HANA aufgestellt und verfügt über Lösungen im High-End-Bereich." Hubertus Schulz, Lead SAP Alliance Business Manager bei HPE.
"SGI hat sich in der Vergangenheit hervorragend im Bereich SAP HANA aufgestellt und verfügt über Lösungen im High-End-Bereich." Hubertus Schulz, Lead SAP Alliance Business Manager bei HPE.
Foto: HPE GmbH

Die bei IoT häufig auftretenden großen Datenmengen werden in Verbindung mit SAP HANA ausgewertet. Das stellt große Anforderungen an die In-Memory-Datenkapazitäten und die Performance der Gesamtlösung.

Dabei gilt zu bedenken, dass HANA dazu geeignet ist, Daten in Echtzeit zu verarbeiten und eine so gewonnene Analyse an entsprechende Geschäftsanwendungen zu senden. Bei großen Big Data Anforderungen empfiehlt sich die Anbindung an Frameworks wie Hadoop.

HPE will durch die Übernahme von SGI das Geschäft für Big Data und Analytics stärken, so Antonio Neri, Executive Vice President und General Manager von HPEs Enterprise Group - wie darf man sich das vorstellen?

Hubertus Schulz: Der weltweite Markt für HPC beläuft sich auf ein Volumen von derzeit rund elf Milliarden Dollar. Das Wachstum beträgt zwischen sechs und acht Prozent jährlich. Doppelt so schnell legt derzeit das Geschäft mit Analytics- und Big-Data-Lösungen zu - entsprechend wollen wir in beiden Marktsegmenten aktiv sein.

SGI hat sich in der Vergangenheit hervorragend im Bereich SAP HANA aufgestellt und verfügt über Lösungen im High-End-Bereich. Durch unsere große Erfahrung im geschäftskritischen Bereich ergänzen wir uns damit perfekt - zumal die Anforderungen der Anwender im Bereich Verfügbarkeit und Sicherheit des Betriebs gestiegen sind.

Diese Entwicklung belegt, wie strategisch HPE die Themen HPC und SAP HANA angeht. Durch die Übernahme können wir ein Portfolio anbieten, das seinesgleichen im Markt sucht.

HPE besitzt bereits ein Portfolio an HP ConvergedSystem for SAP HANA. Was wird SGI einbringen?

Hubertus Schulz: Tatsächlich haben wir konkrete Pläne für eine neue Systemgeneration, die die Technologien beider Hersteller vereinen wird. Diese kann ich heute aber noch nicht preisgeben.

Wird die SGI Rechner-Linie für SAPs In-Memory-Plattform HANA - SGI UV 300H weiterbestehen? Wenn ja, unter welchem Namen?

Hubertus Schulz: Auf jeden Fall können die UV 300-Bestandskunden davon ausgehen, dass sie auch weiterhin Support erhalten. Ansonsten kann ich in Bezug auf unser künftiges Portfolio noch keine Auskunft geben.

SGIs NUMAlink Interconnect-Technik ist Teil des HPE Integrity-Servers - werden weitere Komponenten von SGI in Produkte von HPE integriert werden?

Hubertus Schulz: Dazu kann ich sagen: Freuen sie sich auf die neue Systemgeneration!

Die HANA Community ist eine Anlaufstelle für Partner von Hewlett Packard Enterprise und SAP. Ihnen wird strategische Unterstützung zuteil, damit sie sich als HANA Professional positionieren können. Wird die Übernahme Einfluss auf die Community haben?

Hubertus Schulz: Die HANA Community ist unsere Initiative für SAP-Partner, HPC-Partner, Bestandskunden auch aus dem Softwarebereich sowie generell für alle interessierten Kunden. Sie dient nicht nur der Information, sondern auch dem Erfahrungsaustausch der Mitglieder untereinander. Sie können dort ihre Erfolgs-Stories genauso teilen wie ihre Herausforderungen und dafür Unterstützung suchen. Die Mitglieder werden auch von Partnern wie der SAP, Suse, Red Hat und anderen betreut. Es gibt Experten-Workshops und Trainings.

Die Kunden von SGI sind ab sofort auch in die Community eingeladen - wobei man hinzufügen muss, dass mir keine SGI-Kunden bekannt sind, die nicht gleichzeitig Kunden von HPE sind.

Was darf man von HPE nach der Übernahme von SGI auf der CeBIT erwarten?

Hubertus Schulz: SGI wird auf der CeBIT in Hannover als Teil der HPC-Präsentation zu sehen sein, ganz gemäß unserem Motto "We make HPC less complex - and less costly - for any organization". Speziell wird ein HANA-User-Case vorgestellt werden, der auf einer hybriden Architektur aus Public-Cloud-Angebot und On-Premise beruht. In Halle 4 können sich die Besucher begeistern lassen.