CIOs wünschen sich CDO als obersten Datenanwalt

Von Klaus Manhart am 27. März 2017
Geht es nach Gartner und anderen Analystenhäusern kommen größere Unternehmen um einen Datenverantwortlichen nicht herum. Dieser „Chief Data Officer“ - kurz CDO - ist im Zeitalter von Big Data unerlässlich. Wie aber fügt sich der CDO in die C-Level Ebene ein?

Daten sind für Unternehmen heute das "Öl im Getriebe"; sie sind die Basis jeder Transaktion und jeglicher Interaktion innerhalb und außerhalb von Organisationen. Auf der ganzen Welt versuchen Unternehmen diese Daten mit Big Data und Analytics für sich zu nutzen, um fundierter zu entscheiden. Wer aber ist dafür auf C-Level Ebene verantwortlich?

13,5 Millionen Dollar wegen schlecht gepflegter Daten vergeudet

CIOs, CMOs, COOs und andere Führungskräfte beschäftigen sich nur mit dem jeweils eigenen Stück des Datenkuchens. Die transformative Kraft von Big Data und Analytics kommt mit einem fragmentierten Ansatz nicht zum Tragen. Weil Daten in der Regel nicht wie andere Ressourcen zentral über Abteilungsgrenzen hinweg erzeugt und gemanagt werden, sammelt und optimiert jede Business-Einheit einsam vor sich hin. Die Folge sind schlecht gepflegte Daten; nach Schätzung von Gartner vergeudet ein durchschnittlich großes Unternehmen an dieser Stelle etwa 13,5 Millionen Dollar pro Jahr.

Auch bei den Daten ist deshalb der Blick auf das gesamte Unternehmen zu richten. Der CIO alleine, sagen Gartner-Analysten, kann es nicht richten, zumal ihm in den zurückliegenden Jahren ohnehin immer mehr Zusatzaufgaben aufgebürdet wurden. Es braucht einen Verantwortlichen im Vorstand, der Möglichkeiten der Datenauswertung identifiziert, neue Datenquellen erschließt, Daten durch Verknüpfung anreichert und dann in Informationen, Handlungsanweisungen und Vermögenswerte verwandeln hilft - kurz: einen, der für die Daten zuständig ist. Sein Titel: Chief Data Officer - CDO.

Was macht ein CDO?

Der CDO tritt als Anwalt der Daten auf und verschafft ihnen die Stellung, die sie verdienen. Er ist die verantwortliche Bezugsperson für alle Daten und zuständig dafür, die digitale Transformation voranzutreiben. Konkret etabliert er Standards und Regeln für den Umgang mit Daten, managt Data Governance, Compliance und Datenqualität und entwickelt und verantwortet Vision und Strategie des Datenmanagements. Auf Vorstandsebene trägt er die Verantwortung für Datenqualität, Datenverwertung und Datenschutz im ganzen Unternehmen. Damit kann er Brücken zwischen sämtlichen - auch außerhalb des Unternehmens befindlichen - Daten schlagen, Geschäftsmöglichkeiten ausmachen und das Wohl des Unternehmens über die spezifischen Interessen einzelner Abteilungen stellen.

CDO und CIO sollten keine Gegenspieler sein, sondern ein Team. Im Idealfall sollten sich deren Rollen ergänzen: Während der CIO die gesamte IT verantwortet und das Business durch die IT unterstützt, treibt der CDO quasi eine Stufe davor als Lotse die Nutzung von Daten in den Fachabteilungen voran und verantwortet dies.

Bis zu 50 Prozent der Unternehmen werden auf den CDO setzen

Mehrere Studien bestätigen die zunehmende Relevanz eines CDO. Nach der Experion-Sudie "Dawn of the Chief Data Officer" wünschen sich CIOs grundsätzlich einen CDO an ihrer Seite. Gartner prognostiziert, dass 2017 weltweit 25 Prozent aller Organisationen einen CDO haben werden, wobei der Wert in stark datengetriebenen, hoch regulierten Branchen wie Banken und Versicherungen auf bis zu 50 Prozent ansteigen kann. Laut dem IBM Analytics Report 2015 haben sogar 34 Prozent der 1.225 befragten Organisationen in irgendeiner Form bereits eine CDO Rolle etabliert.

Zwar unterscheiden sich die Prognosen im Detail. So gut wie sicher aber ist: Der CDO wird immer wichtiger und gilt als der eigentliche Wandler in Richtung digitales Unternehmen.

Und wie sieht es bei Ihnen aus? Brauchen Sie einen CDO? Keith Macbeath, Senior Principal Consultant bei HP Software Professional Services, stellt Ihnen drei strategische Fragen, die Ihnen bei der Entscheidung Pro und Contra CDO helfen.